The GC Experience

Vor zwei Tagen, am 23. August 2008, stand ich um ca. 4:45 Uhr auf um mich auf den Weg zur Games Convention zu machen, die nun schon zum sechsten mal stattfand. Bis dahin war ich noch nie da und wollte dieses Jahr unbedingt hin. Ich bin alleine gefahren, da ich sonst nur das Angebot hatte mit ein paar Kumpels ein Wochendticket der Bahn zu kaufen. Das Problem dabei war, dass wir dann nur wenige Stunden auf der Leipziger Messe hätten sein können, da die Verbindungen mit der Regionalbahn von Hildesheim nach Leipzig schlecht sind. Ich wollte aber den ganzen Tag da sein und entschied mich dann alleine zu reisen. Die Deutsche Bahn hatte die Fahrt mit einem Sonderzug angeboten, der von Köln zur Leipziger Messe fuhr (über Hannover). Das Ticket kostete 56 Euro und enthalten waren die Eintrittskarte, sowie Hin- und Rückfahrt in einem Zug voller Gamern. Gegen 6:25 Uhr war ich am Hannover Hauptbahnhof angekommen und musste 10 Minuten auf den Sonderzug warten, allerdings wurden aus den 10 schnell 25 Minuten, da der Zug verspätet ankam, doch er kam an. Das war es was zählte.

Als der Zug ankam traute ich meinen Augen nicht. Das lag weder daran, dass nur so wenige Leute einsteigen wollten, noch daran, wie voll der Zug schon war. Nein, es was das Aussehen des Zuges. Er war kotzgrün und sah aus wie aus den siebzigern, auch die Innenausstattung bestätigte meinen ersten Eindruck, da alles in kackbraun gehalten war. Ernsthaft, der Zug sah so aus, als hätte er schon eine Atombombendetonation „überlebt“. Naja hauptsache ich würde zur GC kommen… (Leider habe ich vom Zug kein Foto schießen können, da ich zu verdutzt war)

Im Zug machte ich mich zu meinem reservierten Platz auf, selbstverständlich war das Abteil belegt und mein Platz auch, doch war der Platz 42 gegenüber noch frei, der mir von einem schlafenden Mädchen vorgewärmt wurde. Ich quatschte ein wenig mit meinen fünf Reisebegleitern, die aus Düsseldorf anreisten und so verflog die Zeit recht schnell. Witzig war es als ein Mädchen gefragt wurde ob sie nur wegen dem World of Warcraft Addon (Wrath of the Lich King) kam und ob sie überhaupt noch andere Spiele kennen würde. Die Antwort lautete „Nöö.“. Als wir dann in Sachsen waren, wurden die Leute in meinem Abteil von ihrem Freund gefragt, in welchem Bundesland wir den nun sein. Ich antwortete natürlich richtig mit Sachsen, während ich auf der anderen Seite die Antwort „Keine Ahnung, ich hab ne fünf in Erdkunde!“, hören musste. Jetzt will ich aber endlich zur GC selbst kommen, die Zugfahrt, war aber auf jeden Fall witzig.

Vom Messebahnhof zur Messe dauerte es zu Fuß etwa 10 Minuten. Anfangs musste man sich, wenn man etwas anspielen wollte, Bändchen in drei verschiedenen Farben abholen, die Auskunft über das Alter der Besucher gegeben hatten. Also stellte ich mich in die Warteschlange und musste nocheinmal etwa 10 Minuten warten. Die Wartezeit wurde angenehm verkürzt, da sich hinter mir ein Besucher bemühte die Themes von Tetris und Super Mario auf seiner kleinen Gitarre zu spielen. Dies gelang ihm trotz einer gewissen Menge Alkohol im Blut doch noch recht gut.

Weiter gings Richtung Eingangshalle.

In der Eingangshalle war ich recht erschreckt, wieviele Cosplayer vor Ort waren und sah mir die ersten Stände an, darunter Rock Band und Gran Turismo 5. Ich wuselte mich willkürlich durch die Menschenmassen in eine der Hallen und besuchte zuerst Halle 4. Dort viel sofort Electronic Arts mit ihrem riesigen Stand auf. Bevor ich aber jetzt zu sehr ins Detail gehen würde, verweise ich einfach mal auf die Bildergalerie, am Ende des Artikels und beschrenke mich nur noch auf das Wichtigste.

In Halle 5 war Konami anwesend und lieferte einen der Gründe, warum ich angereist war – Hideo Kojima. Gegen 13:00 Uhr war der Vater von dem neuen Castlevania Beat ’em up da und ich stellte mich gegen 13:30 Uhr in die Menge, als angekündigt wurde, dass Hideo Kojima in einer halben Stunde die Bühne betreten wird. Während die meisten den Stand verlassen hatten, stand ich mir eine halbe Stunde die Beine in den Bauch, um in der zweiten Reihe stehen zu können. Mit etwas Verspätung (das gehört einfach dazu), fing die Kojima-Show an. Auf der Leinwand wurde das Metal Gear Online Logo gezeigt, während die orchestralen Klänge des Metal Gear Solid Themes gespielt wurden. Der Urvater betrat die Bühne und wurde vom Moderator mit „Papa“ vorgestellt. Hideo Kojima wurde mit Fragen der Zuschauer gelöchert, zwischendurch wurden T-Shirts und Taschen ins Publikum geworfen. Ich habe leider nichts abgreifen können.

Hideo wurden Fragen gestellt wie: „Können Sie in Japan noch ungesehen Zug fahren?“, seine Antwort lautete „In Japan kennt man mich kaum, ich bin nur in Amerika und Europa so bekannt.“. Hideo hat japanisch gesprochen, sein Assistent hat ins Englische übersetzt und der „Moderator“ dann nochmal ins Deutsche. Am Ende der Fragestunde haben ihm bereits bekannte Fans ein Geschenk gemacht, da er am 24. August 2008 45 Jahre alt wurde. Die Fans bastelten ein Mosaik, worauf Solid Snake aus ca. 6.000 Bildern in 50 Stunden Arbeit zusammengesetzt wurde. Respekt! Hideo hat sich sichtlich gefreut und sein Auftritt näherte sich dem Ende. Für die Mühen wurden die Jungs mit einem extrem teuren und seltenem Geschenk belohnt: Jeder erhielt das Metal Gear Solid 4 Bluetooth Headset (welches soweit ich weiß, stark limitiert ist). Anschliessend gab es eine Autogrammstunde, bei der die Wartezeit für mich etwa 30 Minuten betrug. Aus Zeitgründen durften keine Fotos mit Kojima und einem selbst zusammengemacht werden und der gute Herr hat auch nur jeweils ein Autogramm pro Person gegeben. In der Schlange fragte mich jemand, als ich mein Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty auspackte „Willste das dann versteigern?“ worauf ich zu ihm meinte, „Sicherlich nicht, dass gehört ins Museum!“. Er musste Lachen, hat aber als Fan denke ich verstanden was ich meinte. Nach dem Autogramm gab es noch einen kurzen Händedruck des „Papas“ und ich stellte mich direkt wieder an den Konami Stand in der Hoffnung noch etwas abzufangen. Leider war dies nicht der Fall und ich trottete weiter über die GC.

Gegen 16:00 Uhr erreichte ich den GamePro Stand und da ich spät dran war, stand ich in einer der letzten Reihen. Überraschenderweise war nicht nur Henry anwesend, sondern auch der ehemalige Chefredakteur André Horn, Nino, Kai und Daniel. Eigentlich stand nur Henry Ernst auf dem Plan.

Auch bei GamePro wurde das Frage-Antwort Spielchen gespielt, wobei Headsets, Kalender, Schlüsselbänder usw. vergeben wurden, wenn man eine gute Frage stellte. Highlight war definitv, als ein Besucher fragte, ob Henry seine Artikel selber schreibt. Henry wusste gar nicht was er auf eine so dumme Frage antworten sollte und meinte „Nein, natürlich nicht… Irgendwie muss ich ja mein Geld verdienen.“. Weiterhin eine qualitativ hochwertige Frage war z.B. „Wann kommt Duke Nukem Forever?“. Dann erzählte Henry noch, dass er ausversehen mit seiner Xbox 360 vor dem Grand Theft Auto IV Release online war und somit andere Gamer die Erfolge sehen konnten. Das passte Rockstar nun gar nicht und belästigten ihn in seiner Freizeit.

Irgendwann kam ich dann mit einer Frage dran, obwohl ich sehr weit hinten stand. „Außen auf den GamePros sind ja die Comicbildchen der Redakteure… Wieso ist Kai Schmidt zweimal drauf?“

Antwort Henry: „Weil ein Kai einfach nicht reicht!“
Antwort André: „Weil wir dumm sind! Da hab ich offensichtlich nicht aufgepasst.“

Für die Frage gabs dann einen Kalender für mich, anschliessend gab es auch am GamePro Stand eine Autogrammstunde, wo ich mir den Kalender signieren lies und Fotos mit den Redakteuren schoss.

Nun war ich schon sehr geschlaucht, da das ewige Stehen und langsame Rumlatschen sehr anstrengend war. Langsam machte ich mich dann auf den Weg zum Bahnhof, ohne überhaupt ein Spiel gespielt zu haben, da mir einfach die Wartezeiten zu lang waren und ich eigentlich auch nicht zum Spielen gekommen war.

Am Bahnhof, waren die Bahnsteige teilweise von der Polizei abgesperrt, da sich bestimmt 10.000 Besucher dort tummelten. Ich kam gerade rechtzeitig oben am Bahnsteig an, als ein Zug hielt. Das Problem ist, dass der Sonderzug nicht auf der Anzeigetafel angezeigt wurde und ich mir somit nicht sicher war, welcher Zug hier nun hält, da die Anzeige irgendwie stehen geblieben war. Ich dachte der Sonderzug hätte durchaus gegen einen anderen Zug getauscht werden können, da ich noch nie mit einem Sonderzug gefahren bin und stieg in den anhaltenden Zug ein. Dann ging alles blitzschnell… Ich schaute aus dem Fenster und sah den Zug mit dem ich hergekommen war, das Ding was wahrscheinlich die Atombombendetonation überlebt hatte, in dem Moment schlossen sich die Türen und ich war gefangen im Zug. Ich fragte die Leute wo wir nun hin fahren. Es ging Richtung Leipzig Hauptbahnhof, also komplett in die falsche Richtung, es gab keine Möglichkeit mehr für mich wieder nach Hannover zukommen, nicht ohne viel Geld zu bezahlen und irgendwo übernachten zu müssen. Ich schlug meinen Kopf mehrfach an die Tür und war auf einmal im Mittelpunkt des Geschehens, das konnte ich jetzt am aller wenigsten gebrauchen. Ich wollte mit dem Sonderzug Richtung Köln. Dann hörte ich jemanden zu mir sagen „Wir können dich mitnehmen, wir haben noch einen Platz im ICE, in der ersten Klasse frei.“ Ich fragte mehrmals nach, weil ich nicht verarbeiten konnte, was in so kurzer Zeit abging. Es waren wenige Sekunden, die sich wie mehrere Stunden anfühlten, innerhalb dieser Sekunden liefen sämmtliche Worst-Case-Szenarios in meinem Kopf ab.

Naja, ich war „gerettet“, bedankte mich mehrfach und hatte echt ne coole Zeit mit den zweien im Zug und beim Umsteigen, sowie beim warten in Hannover. Die beiden waren locker drauf, was die Fahrt sehr entspannt machte. Ich habe es auf der GC leider nicht zum RapidShare Stand geschafft, und erhielt sogar noch einen Premiumaccount (7 Tage gültig) von den beiden. Sie erzählten mir die kurioseste Geschichte, von der GC. Der Rapper „Fler“ hat beim RapidShare Stand performt und meinte nach der Performance offenbar zum Publikum „Ihr könnt zwar meine Musik bei RapidShare runterladen, aber die sind da nicht schuld dran.“ WAS FÜR EIN GRIFF INS KLO! RapidShare will seriös wirken und wollte auf keinen Fall mit Raubkopieren in Verbindung gebracht werden!

Einer meiner Begleiter hat lustigerweise ein Forum gegründet, in dem Abu-Dun registriert war und kannte sogar noch seinen Usernamen, den ich ihm gesagt hatte… small world or not? Letztendlich bekam ich dann noch die Adresse seines neuen Forums, gab den beiden noch einen Kaffee aus und sagte, dass ich meine Dankbarkeit, gar nicht vernünftig zeigen könnte. Schließlich hätte nicht jeder was gesagt, auch wenn noch Plätze frei wären. Naja und wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass man bei 30.000 Besuchern in einen Zug steigt, wo Leute drin sind, die in die gleiche Richtung fahren müssen, einen Platz frei haben und dich dann noch mitnehmen? Ein erlebnissreicher Tag endete wie er begonnen hat, in Hildesheim, bei Regen.

I really must be one lucky bastard.

EDIT: Hideo Kojima meinte nochmals er würde für einen eventuellen Metal Gear Solid Film am liebsten Viggo Mortensen als Snake haben.